Colocation: Eigene Server, fremder Standort, geringere Kosten

Mit der zunehmenden Digitalisierung von Unternehmensprozessen und dem Aufbau datenbasierter Geschäftsmodelle rückt eine Frage auf der Agenda der IT-Verantwortlichen weit nach oben: Wie schaffe ich die dafür nötigen Serverkapazitäten? Die gängige Antwort lautet: Das eigene Rechenzentrum erweitern oder auf Cloud-Hosting umsteigen, also virtuelle Kapazitäten bei einem Drittanbieter anmieten. Beides sind richtige Vorgehensweisen, aber es gibt noch einen dritten Weg, der oft vergessen wird: Colocation.
 
Darunter versteht man das Unterbringen der eigenen Server bei einem professionellen Rechenzentrumsbetreiber, der die benötigte Raumkapazität zur Verfügung stellt, Stromversorgung und Kühlung übernimmt, die Anbindung ans Netzwerk sicherstellt und sich in der Regel um redundante Strukturen und Ausfallsicherheit kümmert. Diese Option ergibt immer dann Sinn, wenn Daten nicht in die Cloud gegeben und somit nicht auf fremder Hardware gespeichert werden sollen oder können, der Auf- oder Ausbau des eigenen Rechenzentrums aber zu kostspielig wäre oder aus Platzgründen nicht möglich ist. Lediglich für kritische Anwendungen mit äußerst geringen Latenzzeiten ist eine solche Lösung nicht zu empfehlen.

Colocation ist die Rundum-sorglos-Lösung für eigene Server

Colocation ist nichts anderes als das Auslagern der eigenen Server-Hardware in ein externes Rechenzentrum, das von einem Drittanbieter betrieben wird. Meist hat das Kostengründe, denn für viele Unternehmen ist eine solche Lösung deutlich günstiger als der Betrieb eines eigenen Data Centers. Das gilt umso mehr, wenn eine Expansion aus räumlichen Gründen am Firmenstandort nicht möglich oder die eigene IT-Infrastruktur veraltet ist und nur mit hohem Aufwand auf den neuesten Stand gebracht werden kann.
 
Für Colocation spricht aber auch die gewonnene Flexibilität, denn zusätzliche Flächen lassen sich im externen Data Center je nach Bedarf anmieten. Die ausgelagerten Kapazitäten sind beliebig skalierbar. Ihr Unternehmen kümmert sich lediglich um den Aufbau der Server und zugehöriger Komponenten im Rechenzentrum des Providers. Ein weiterer Vorteil: Die eigene IT-Abteilung wird von der ‚lästigen’ Aufgabe entbunden, sich um Wartung und den reibungslosen Betrieb der Server zu kümmern.

Flexible Lösung für jeden Bedarf

Wer auf Colocation setzt, erhält im Gegenzug vor allem räumliche und zeitliche Flexibilität. So bieten die Rechenzentren-Anbieter von der Anmietung ganzer Hallen – sogenannten ‚wholesale colocations’ – bis hin zu kleinen Micro Data Centern – oft als ‚retail colocation’ bezeichnet – die richtige Lösung für jede Größenordnung an. ‚Wholesale’ ist vor allem für Großunternehmen interessant, die über Ländergrenzen hinweg operieren, ihre Kapazitäten stärker bündeln wollen oder einen bestimmten Standort wegen niedriger Energiepreise oder schnellerer Internetanbindung bevorzugen.
 
„Retail“ richtet sich hingegen an kleinere Unternehmen und bietet eine Vielzahl von Services rund um den Betrieb der Infrastruktur an. So stellt der Betreiber das nötige Fachpersonal an und kümmert sich – je nach Standard des Rechenzentrums – um redundante Komponenten, aktive und passive Versorgungswege und IT-Sicherheit. Die Kosten hängen vor allem vom Energiebedarf aber auch vom benötigten Platz ab. Viele Colocation-Anbieter betreiben weltweit Standorte, sodass Unternehmen stets ein passendes Rechenzentrum in ihrer Nähe finden werden. Weiterhin bietet Colocation auch bei den Vertragslaufzeiten viel Flexibilität: Gängig sind Verträge über einen Zeitraum von drei bis zehn Jahren. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass bei der Auslagerung eigener Server einmalige Kosten für Umzug, Aufbau und Inbetriebnahme am Colocation-Standort entstehen. Allzu kurze Vertragslaufzeiten sind aus ökonomischen Gründen also weniger sinnvoll.
 
Viele Unternehmen haben die Vorteile von Colocation bereits erkannt, denn die eigene IT wird entlastet und kann stärker für innovationsgetriebene Zukunftsprojekte eingesetzt werden. Analysten sind jedenfalls überzeugt, dass der Markt für solche Angebote stark wachsen wird. Allein bis 2022 soll sich das weltweite Geschäft mit Colocation von heute knapp 27 Milliarden Euro auf dann fast 53 Milliarden Euro verdoppeln.

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